Teil 1: Die Grundlagen des Optionshandels

Die Grundlagen des Optionshandels
Die Grundlagen des Optionshandels
Über 10 Jahre war ich an der Börse aktiv, bevor ich erstmalig von Optionen und dem Begriff Stillhalter las. Interessanterweise war das in einer Buchrezension auf Amazon*. Für mich war das ein Glücksfall. So begann ich, mich für die Grundlagen des Optionshandels zu interessieren und ihn zu erlernen.
 
Mit dem Optionshandel erreichen Trader erstaunliche Renditen, dennoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es so gut wie niemand kennt. Es handelt sich nicht um hochriskante oder intransparenten Anlagen, wenn der Trader ein Risiko- und Geldmanagement anwendet. 
 
Mit meiner Artikelserie erkläre ich die Grundlagen des Optionshandels, mit dem Ziel, den Optionshandel bekannter zu machen. Jeder erhält die Chance, den Optionshandel zu erlernen und erstaunliche Renditen einzufahren. Es handelt sich sowohl um eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, als auch Geld anzulegen.

Inhaltsverzeichnis

Eine kleine Geschichte von Warren Buffet

Im April 1993 stand der Kurs der Coca-Cola-Aktie (CO) bei circa 39 USD. Warren Buffet schätzte den fairen Wert der Aktie höher ein und er war bereit, die Aktie zu kaufen. Er verkaufte 50.000 Optionskontrakte (Short Puts) auf Coca-Cola zu einem Strike (Zielpreis) von 35 USD und mit einem Verfall im Dezember 1993. Ein Optionskontrakt besteht in der Regel aus 100 Aktien, somit ging es hier um 5.000.000 Coca-Cola-Aktien. Die Prämieneinnahmen beliefen sich auf 150 USD je Kontrakt, in Summe also auf 7,5 Millionen USD.

Was passierte dann?

Ein Put ist eine Verkaufsoption. Warren Buffet sicherte dem Käufer der Put-Optionen die Möglichkeit zu, die 5.000.000 Coca-Cola-Aktien an ihn zum Preis von je 35 USD zu verkaufen. Das galt während der vereinbarten Laufzeit der Option, also bis zum vereinbarten Verfallstag. Er hat 7,5 Millionen USD erhalten, da er bereit war, zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien günstiger zu kaufen.

Der Kurs notierte im Dezember 1993 weit über dem Zielpreis von 35 USD. Die Option verfiel zu Gunsten Warren Buffets, die Prämie durfte er behalten und als Gewinn verbuchen. Klingt das nicht unglaublich? Der Grund ist einfach: Für den Käufer der Optionen ist dies wie eine Risikoversicherung. Er sichert sich einen festen Verkaufspreis für den Fall eines Kursrutschs.

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Wie funktionieren Optionen?

Um das Konzept der Optionen besser zu verstehen, schauen wir uns zunächst vereinfacht an, wie Optionen funktionieren: Wenn Du eine Option kaufst, gehst Du einen Kontrakt mit einem Optionsverkäufer (dem Stillhalter) ein. Der Stillhalter garantiert, dass Du die Option ausüben kannst. Der Optionskäufer zahlt beim Kauf des Kontrakts eine Optionsprämie an den Verkäufer. Die Optionsprämie ist immer fällig, unabhängig davon, ob Du die Option ausübst oder nicht.

Welche Basiswerte gibt es?

Optionen werden auf Aktien, Indizes, ETF, Rohstoffen, Anleihen und Devisenpaare gehandelt. Der Trader wählt, ob er die Position des Käufers (Long-Position) oder die des Verkäufers (Short-Position) einnimmt. Je nach Anlagestrategie wird nicht nur der Basiswert, das sogenannte Underlying, ausgewählt, sondern auch die Position und die Optionsstrategie. Hierauf gehen wir im Laufe der Artikelserie weiter ein. Die Optionen bieten sowohl den erfahrenen wie den unerfahrenen Anlegern viele Vorteile. Mit den richtigen Strategien werden sowohl in steigenden als auch in fallenden Märkten Gewinne eingefahren. Im Rahmen der Artikelserie reden wir von Aktienoptionen.

Auswahl der Basiswerte
Die einfachste und sicherste Variante ist es, Aktien auszuwählen, die Du ohnehin im Depot halten möchtest. Der Unterschied ist, diese nicht sofort zum aktuellen Preis zu kaufen. Die Aktie kaufen wir mit einem Rabatt zu einem späteren Zeitpunkt über einen Optionshandel. Ebenso kann das Depot oder eine einzelne Aktienposition über eine Option abgesichert werden. Der Optionshandel ist ein wundervolles Instrument, um Cash-Flow zu generieren, Aktienpositionen zu monetarisieren und Depots zu schützen.
 
Das vereinfachte Prinzip des Optionshandels lautet: Ein Optionshändler bezahlt einem anderen Optionshändler dafür eine Prämie, dass dieser ihm die Option zusichert, Aktien zu einem bestimmten Wert zu verkaufen oder zu kaufen.
Ein Beispiel

Käufer einer Option haben einen wesentlich geringeren Kapitaleinsatz als ein Anleger, der direkt in Aktien investiert. Spekulierst Du bei einer Aktie auf steigende Kurse, hast Du natürlich die Möglichkeit die Aktie direkt zu kaufen. Alternativ kaufst Du eine Option. 

Aktie A notiert aktuell bei 140 $. Du gehst von einem Kursanstieg aus und kaufst eine Kaufoption (Call) mit einem Optionspreis von 8 $ und 3 Monaten Laufzeit. Da die Kontraktgröße 100 ist, zahlst Du 800 $. Am Ende der Laufzeit notiert der Kurs bei 165 $ und der Optionspreis bei 21,50 $. Du kannst die Option nun wieder verkaufen (glattstellen) und realisierst einen Gewinn von (21,50 $ – 8 $) x 100 = 1.350 $

Mit dem Einsatz von 800 $ fährst Du einen Gewinn von 1.350 $ ein. Beim Kauf von 100 Aktien und einem Kapitaleinsatz von 14.000 $ hättest Du einen höheren Gewinn von 2.500 $ realisiert. Das Risiko beim Aktienkauf ist aber deutlich größer, da die Aktie theoretisch auf null fallen kann. Das Risiko der Option war auf die 800 $ Kaufprämie beschränkt.

Ist der Optionshandel riskant?

Wie bei allem im Leben, kommt es darauf an! Kein Finanzinstrument ist vollkommen frei von Risiko, das gilt auch für Optionen! Im Beispiel ist das Risiko von vornherein bekannt. Es war auf die Optionsprämie beschränkt. Natürlich gibt es auch bei den Optionen riskantere Strategien. In der Artikelserie zu den Grundlagen des Optionshandels wirst Du lernen, worauf es ankommt. 
 
Verkaufst Du beispielsweise ausschließlich Cash Secured Puts und Covered Calls, liegt das Risiko lediglich in der ausgewählten Aktie (Underlying). So, wie es auch beim direkten Kauf oder Verkauf einer Aktienposition ist. Gegenüber dem direkten Kauf von Aktien hast Du beim Verkauf von Optionen zusätzliche Vorteile, die der direkte Handel nicht bietet. 
 
Der Sinn von Optionen ist gerade das Eliminieren von Risiken! So sichern sich Unternehmen gegen Risiken an den Weltmärkten ab. Internationale Unternehmen sichern sich gegen schwankende Währungen oder Fluggesellschaften gegen steigende Kerosinpreise ab. Da gibt es unzählige Beispiele.

Optionen vs. Optionsscheine - nicht verwechseln!

Optionen und Optionsscheine werden oft verwechselt, aber sie unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Die Gemeinsamkeiten sind schnell aufgezählt: Beide Finanzprodukte sind Derivate (Termingeschäfte) und werden auf eine Vielzahl von Vermögenswerten angewendet. Sie haben Call- und Put-Varianten und verfallen nach einer bestimmten Zeit. Es gibt dennoch einige wesentliche Unterschiede zwischen Optionen und Optionsscheinen.

Was ist der entscheidende Unterschied?

Optionsscheine werden direkt von Emittenten wie spezialisierten Banken oder Brokern ausgegeben und außerbörslich (OTC = Over-the-Counter) gehandelt. Die Preise für das Termingeschäft legt der Emittent selbst fest. Infolgedessen gibt es keine Transparenz bei der Preisgestaltung und Regulierungsmechanismen der Börse sind nicht wirksam. Optionsscheine haben ein Emittentenrisiko und sind wertlos, wenn die emittierende Bank in die Insolvenz geht. Aus den vorgenannten Gründen ist der Handel in den USA verboten.

Bei Optionen kann dagegen jeder als Emittent in Erscheinung treten. Sie werden an regulierten Börsen gehandelt und es gelten die Sicherheitsmechanismen der Börse. Verlust durch Insolvenz ist ausgeschlossen. Bei den Optionen bildet sich der Preis durch Angebot und Nachfrage am Markt. Dies gewährleistet Sicherheit, Fairness und Transparenz in Bezug auf die Preisgestaltung, und bedeutet, dass das Emittentenrisiko auf Null sinkt. 

Stillhaltergeschäfte sind nur bei Optionen möglich, diese sind es aber, die wir hier wollen!
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Optionen handeln

Der Handel der Optionen erfolgt an Terminbörsen mit standardisierten Kontrakten, in denen die Basiswerte, Ablaufdaten und Ausübungspreise festgelegt sind. Die Standardisierung erhöht die Liquidität der Optionen, was bedeutet, dass sowohl die Verfügbarkeit als auch die Handelbarkeit steigt. Nennenswerte Terminbörsen sind die europäische EUREX und die amerikanische CBOE, der Chicago Board Options Exchange.

Optionen werden in erster Linie von institutionellen Anlegern gehandelt, können aber auch von Privatanlegern gekauft und verkauft werden. Allerdings bieten nicht alle Broker Optionen an und einige haben möglicherweise eine begrenzte Auswahl oder bieten möglicherweise nur Optionsscheine an. Zu beachten ist, dass die deutschen Anbieter zwar teilweise Optionen anbieten, meist aber nur an der EUREX und sehr hohe Gebühren verlangen. Im neunten Teil der Artikelserie gehen wir näher auf die relevanten Broker ein.

Inhalt der Artikelserie

Bücher über den Optionshandel

Ein wenig Theorie schadet nie. Für einen umfassenden Einblick in die Welt der Optionen ist es sinnvoll, das ein oder andere Buch zum Thema zu lesen. Wenn diese über die nachfolgenden Links bezogen werden, wird auch meine Arbeit unterstützt.

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